| Von: Jan Krause, am 02-05-2008 11:21 |
Die MOPAR Big Block Motoren sind aufgrund Ihrer Leistungsentfaltung oft die gefragtesten Motoren, wenn es um den Kauf eines Mopars geht.  Ich selbst bekam schon einmal von einem Fahrzeugverkäufer einen 318cui Motor als 383cui Motor angeboten.. zudem sind uns Geschichten bekannt wie die, daß ein in der Szene nicht unbescholtenes Blatt einen Wagen mit 383cui als 440cui verkauft hat.
Wirmöchten euch mit diesem Artikel helfen, euch vor einer solchen Enttäuschung zu bewahren und stattdessen versuchen, ein wenig Licht in das Dunkel der Identifikation von Chrysler-Motoren zu bringen. Als allererstes sei dazu erwähnt, das alle Motoren, die ab Werk mit 361 cui (ca. 6,0 Liter) oder mehr Hubraum ausgeliefert wurden, zur Big Block Familie gehören. Darunter fallen die Hubraumversionen 361cui, 383cui, 400cui, 413cui, 426cui wedge und 440cui. Wer sich jetzt über das "wedge" hinter der 426 wundert, einer Zahl, die ansonsten vom Hubraum des 426HEMI her bekannt ist, dem sei erklärt, dass es auch einen 426cui mit keilförmigen Verbrennungsräumen (Englisch "wedge", "Keil") gegeben hat. Der HEMI gehört zwar generell auch zu den Big Blocks, unterscheidet sich aber in einigen wichtigen Aspekten von der regulären B-Block Familie. Es ist auch nicht möglich, HEMI Köpfe auf einem B-Block zu verwenden, außer durch Einsatz der speziell für diesen Zweck entwickelten "HEMI Conversion Heads". Die Big Block Familie von Chrysler wird ansonsten in zwei Teile unterteilt. Die Grundlage bilden die sogenannten "B"- Motoren. Dies sind die 361er, 383er u. 400er Blöcke. Das "B" steht in diesem Falle schlicht und einfach für "BIG" - wer hätte das gedacht ;D. Darauf aufbauend finden wir die Familie der "RB"-Motoren. Zu ihr gehören die 413er, 426wedge u. 440er. Das "RB" steht für "Raised Big" und beschreibt die im Vergleich zum B-Block höhere, eben angehobene (englisch "raised") Zylinderkopfdichtfläche dieser Motoren, d.h. die Flächen, auf denen die Köpfe festgeschraubt werden, sind weiter von der Kurbelwellenachse entfernt und ermöglichen so einen größeren Hub. Aus diesem Grund besitzen die RB-Motoren auch breitere Ansaugspinnen, längere Stößelstangen, einen größeren Kurbelwellenhub, einen längeren Verteilerantriebsschaft und längere Pleuel. Auch die Hauptlager wurden aus Festigkeitsgründen vergrößert. Ansonsten gibt es zwischen den beiden Big Block Familien, ausgenommen von verschieden großen Kolbenbohrungen, keine größeren technischen Unterschiede. Hier zur Verdeutlichung dessen eine kleine Tabelle, in der die Zusammensetzung der einzelnen Hubraumvariationen aufgezeigt wird: | | Bohrung | Kurbelwellenhub | Hubraum | | B-Block | 4,12" | 3,38" | 361cui | | | 4,25" | 3,38" | 383cui | | | 4,34" | 3,38" | 400cui | | | | | | | RB-Block | 4,18" | 3,75" | 413cui | | | 4,25" | 3,75" | 426cui | | | 4,32" | 3,75" | 440cui | Zu vermerken seien noch zwei Ausnahmen, die in den Jahren 1958 - 1962 gebaut wurden: Der 350cui "B" Block mit 4,06" x 3,38" und der 383cui "RB" Block mit 4,03" x 3,75" (Bohrung x Kurbelwellenhub). Woran kann man nun am einfachsten erkennen, ob man einen Small- oder Big Block vor sich hat ? Ganz einfach: Befindet sich der Zündverteiler hinten, handelt es sich um einen Small Block, ist der Zündverteiler vorne, hat man einen Big Block entdeckt!  Zur Differenzierung zwischen "B" & "RB" Block dagegen muss man nur prüfen, wo die Kennfläche des Motors ist. Die Ansaugspinnendichtung (Valley Pan) ist vorne mit drei kleinen Schrauben (Schlüsselweite 7/16) gesichert. Findet man dort eine vorspringende, geplante Fläche, haben wir einen "RB" Block vor uns.
 Wenn man dort nichts findet, sollte man nach einer geplanten Fläche in der Nähe des Verteilers suchen. Diese Fläche gibt es nur bei den "B" Blocks. Gleich, ob es nun ein "B" oder "RB" Block ist, sind auf dieser Fläche einige Informationen eingeschlagen. Bei einem "B" Block könnte dort z.B. E 383 HP stehen. Das E steht für das Jahr 1969, 383 für den Hubraum und HP für High Performance. Alles zu erklären, was dort stehen könnte, würde, da es sich mit den Jahren oft geändert hat, den Rahmen dieses Artikels sprengen. Zu vermerken sei aber, daß die Jahresschlüssel für den Zusammenbau der Motoren wie folgt vergeben wurden: | S = 1962 | A = 1965 | D = 1968 | G = 1971 | | T = 1963 | B = 1966 | E = 1969 | H = 1972 | | V = 1964 | C = 1967 | F = 1970 | J = 1973 | Wie ihr euch sicherlich schon gedacht habt, ist bei den High- Performance Versionen "HP" eingeschlagen und bei den anderen eben nicht, oder aber "LC" für "Low Compression" (auch bekannt als "Luftpumpe" ;). Wenn ihr jetzt jedoch meint ihr wüßtet nun eindeutig, welchen Motor ihr vor euch habt, habt ihr euch ins eigene Fleisch geschnitten. Denn Zahlen und Buchstaben einschlagen können auch gerissene Verkäufer und Wichtigtuer... zusammen mit Freunden habe ich auf einem Treffen in Hannover einmal einen vermeintlich originalen "Super Stocker" mit 426er Max Wedge Motor gesehen, dessen Motor auch die entsprechende 426er Kennzeichnung besaß. Auch die "Cross Ram" Ansaugspinne mit 2 Carter Vierfachvergasern und die originalen High Performance Auspuffkrümmer waren schön anzusehen. Da dieser Motor sehr selten ist, prüften wir aus Interesse die Motor-Gußnummern. Zuerst entdeckten wir das Gußdatum. Es war, soweit ich mich erinnern kann, irgend etwas mit dem Ende 68, was natürlich für 1968 steht. Damit war klar, hier stimmt etwas nicht, denn 1968 wurden nur noch 440er "RB" Blöcke gegossen.   Nach genauem Vergleich der Gußnummer mit einer Tabelle waren wir dann hundertprozentig sicher: Dies ist ein 440er Motorblock. Als ich den Besitzer fragte, ob dies wirklich ein 426er Motor wäre, stimmte er zu und erzählte mir, er hätte ihn sogar selber überholt, mit neuen Kolben und allem drum und dran. Auf meine Frage ob die Kolben nicht durchgefallen wären, da (wie ihr in der ersten Tabelle oben sehen könnt) die 440er Bohrungen doch viel zu groß für die 426er Kolben sind, schaute er mich nur mit bösen Augen an und stellte die Gegenfrage, ob ich etwa sein Auto schlecht machen wolle... an dem Punkt sind wir dann schmunzelnd aus dem Gespräch ausgestiegen ;). Hier nun also eine Tabelle der Gußnummern, die auf der Seite der Motorblöcke zu finden sind: | Gussnummer | CUI | Jahr | Type | Hinweis | | 2120229 | 361 | | B | Industrial | | 2205712 | 361 | 1958 - 66 | B | | | 1852029 | 413 | 1962 | RB | Max Performance & Truck | | 2120529 | 413 | 1959 - 65 | RB | | | 2205697 | 413 | 1959 - 65 | RB | Passenger Car | | 2205697 | 426 | 1964 | RB | Passenger Car | | 2406730 | 426 | 1963 - 65 | RB | Wedge & Max Performance | | 2468030 | 413 | | RB | | | 2568130 | 383 | 1959 - 71 | B | | | 2468330 | 426 | 1964 - 71 | RB | Hemi Head | | 2432230 | 426 | 1964 - 66 | RB | Wedge & Max Performance | | 2536430 | 440 | 1966 - 72 | RB | | | 2658836 | 426 | | RB | Industrial | | 3614230 | 400 | 1971 - 72 | B | | | 3698630 | 400 | 1973 - 78 | RB | | | 3698830 - 440 | 440 | 1973 - 78 | RB | | | 4006530 - 400 | 400 | 1976 - 78 | B | | | 4006630 - 440 | 440 | 1978 | RB | Ebenfalls auf der Seite des Motorblocks befindet sich das Gußdatum. Wie die meisten von euch sicher schon wissen, schreiben die Nordamerikaner Tag und Monat eines Datums anders als wir, der "10.18.68" ist also für uns der "18.10.'68" - very simple! Einen HEMI erkennt man sehr einfach daran, dass bei ihm die Zündkerzen durch den (sehr breiten) Ventildeckel hindurch in den Zylinderkopf geschraubt sind.
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